Ist deutscher Rap tot?

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Irgendwas ist im Rap verkehrt gelaufen. Es ging im Rap immer um, “guck was ich tue” nicht um “mach, was ich mache”. So banal, Diese Erkenntnis ist banal und in der Konsequenz katastrophal.
Was ist denn an “my mind is playing tricks on me” oder “My Blocc” falsch zu verstehen? Es geht um einen Hilfeschrei und nicht um “machst du nicht, was ich will, mach ich dich platt. Los renn los und kauf mein Album…Mach ich da ganze Herde platt”. Die Geto Boys haben das geschafft, wovon so viele deutsche Rapper träumen, einen Toptrack hinzulegen, der es durch den Text, die Lyrics schafft ins Zentrum des medialen Interesses zu treten – mit nur einem Move.

Im deutschen Rap sieht es aktuell ganz anders aus. Der größere Teil des Marktes lebt glänzend von der “machst Du wie ich, machst Du platt” – Mentalität lebt und nicht vom “seh`s positiv und mach das Beste draus, für Dich UND andere.”
Und das geht soweit, dass ein anerkanntes Rapurgestein wie Sido in Erkärungsnöte kommt, wenn man ihn fragt, warum er seine Videos nicht seinen eigenen Kindern zeigt. Und das sind diese peinlichen Momente in denen man spürt, ein Land ohne Sozialkultur wird es nicht weit bringen.

Glücklicherweise landet der letztere Teil in letzter Zeit immer mehr an Boden im Rapgeschäft. Deichkind haben mit Bravour bewiesen, das Texte mit Potential noch eine Zielgruppe in Deutschland finden. “Bück Dich hoch” fängt den Zeitgeist in nur einem Satz ein. “Befehl von ganz unten” als Albumtitel rundet die perfekte Botschaft ab. Auch Mayorlabel erkennen diesen Trend…wer Marktforschung betreibt, ist eben immer klar im Vorteil.

Marketingtechnisch stellt sich zwangsläufig zudem die Frage, wie das “Bums Dich” Konzept auf Dauer überleben wird. Wie also lassen sich Massenmord und exzessive Schlägermentalität noch toppen?
Mehr Details? Noch mehr Gewalt? Mehr Opfer? Schäbigere kriminelle Methoden?
In einem sind sich die Marketingexperten in der Musikindustrie sicher: “Nach fest kommt ab”. Das ist die Vorgeschichte zum Bruda Sven Interview.

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